Naturjuwel Großes Walsertal


Mit seinem bunten Mosaik aus Natur- und aufwändig gepflegter Kulturlandschaften ist das Große Walsertal ein als UNESCO-Biosphärenpark anerkanntes Naturjuwel. In der mächtigen Kulisse des Lechquellengebirges, das schon 2x „9 Plätze 9 Schätze“ gewinnen konnte und dem Bregenzerwald, können ambitionierte Biker dieses wunderschöne Gebiet erkunden. Forst- und Karrenwege führen zu versteckten Almen, wo jahrhundertealte Alptraditionen gepflegt und Gastfreundschaft gelebt werden. Sanfter Tourismus im Einklang mit Mensch und Natur.

 

Naturjuwel Walsertal (Elite Tours)
Sonntag, 24.06.2018 bis Samstag, 30.06.2018
Teilnehmer: Aleksandra, Margit und Gerold, Anita und Robert, Alexander, Wolfgang L., Wolfgang S., Willi, Karl, Hannes, Josef

1. Tag: “Anreise”

11 grüne Radler fahren gemeinsam mit Bodenseeumrundern im Elitebus nach Vorarlberg. Nach einer langen Fahrt ohne unseren Guide Josef, der bereits vorausgefahren ist, um noch ein paar Trails auf den momentanen Zustand zu erkunden, passieren wir den Arlbergtunnel und sind im westlichsten Bundesland, dem Ländle. Und schon da beginnen wir zu schwitzen, als der Bus über enge, steile Straßen hinauf auf 888 m Seehöhe in den Walserort Sonntag im Großen Walsertal, fahren muss. Das sollte der erste Vorgeschmack sein, was uns in den kommenden 5 Tagen erwarten wird. Von unserem Guide Josef werden wir herzlich empfangen, aber auch von Ida, der Wirtin vom Gasthof Krone, der große wunderschöne Zimmer und jeden Tag ein hervorragendes Abendessen bietet.

 

2. Tag: “Rund ums Zafernhorn”

Los geht´s! Da es am Morgen noch ein paar Regentropfen gibt, verschieben wir unsere Abfahrt (besser gesagt Auffahrt) um eine Stunde und starten um 10:00 Uhr vom Quartier zu unserer ersten Tour.

Eckdaten von Josef: Wir radeln auf der Faschinastraße von Sonntag über Fontanella, bis wir kurz vor Faschina ins Glände abzweigen. Weiter geht es auf einer steilen Almstraße zur Furkla auf ca. 1900 m. Die Berge sind im Nebel und es nieselt leicht. Nur kurz erhaschen wir einen Blick auf das Zafernhorn ehe es der Nebel wieder verhüllt. Dann geht es in flotter Fahrt hinunter zur Zafernalp und auf kurzer Schiebestrecke weiter zur Kriegbodenalpe. Mit einem weiteren Downhill und einigen Gegenanstiegen erreichen wir die drei Bödmenalpen und nach einem letzten Steilstück das Faschinajoch auf 1487 m. Bei einer netten Einkehr lassen wir das tolle Erlebnis bei Kaffee, Mehlspeise und Kaiserschmarren noch mal Revue passieren ehe wir die Tour mit einem 10 km Sinkflug in Sonntag beenden. Ein schöner Tag trotz nicht ganz astreinem Wetter!

35 km, 1340 Hm

Fazit Anita: Das leicht Nieselregen am Vormittag konnte unsere Euphorie nicht stören. Gut, dass es nicht allzu heiß war, denn die steilen Anstiege haben uns ordentlich ins Schwitzen gebracht. Blöd war nur, dass Robert zwischendurch auf einem nassen Schlauch ausgerutscht und mit dem Schienbein genau auf einem spitzen Stein gelandet ist. Zum Glück ist nicht mehr passiert und nach einer Notversorgung konnte er weiterfahren – immerhin ging es fast nur mehr bergab. Schon am ersten Tag bekommen wir eine Ahnung davon, was es im Walsertal heißt, auf einen Berg zu fahren. Leicht ansteigend ist hier nichts. Nach dem Abendessen lernen wir Conny, August und Pater Christoph kennen, der uns aus seinem Buch “Neuland unter den Sandalen” ein paar Passagen auf sehr witzige Weise vorträgt. Wir lauschen gespannt und diskutieren im Anschluß mit ihm über seine Erfahrungen auf dem Jakobsweg. Ein aufregender Tag geht mit einem harmonischen Abschluss zu Ende!

3. Tag: “Bike & Hike Alpe Sentum – Löffelspitze – Sankt Gerold”

Eckdaten von Josef:  Von Sonntag auf der Faschinastraße über Garsella und Blons-Valentschina mit prächtigen Ausblicken in die beeindruckende Bergwelt radeln wir zur Alpe Sentum auf 1610 m. Dann wandern wir zu Fuß weiter auf die Löffelspitze (1962 m), einem markanten vielbesuchten Gipfel mit fantastischem 360°Panorama am Walserkamm. Nach einer netten Einkehr auf der Alpe Sentum mit köstlicher Alpjause, fahren wir über Hügel und auf Trails nach Oberblons hinunter zur Propstei St. Gerold, wo wir von Pater Christoph zu einer Führung auf dem „Weg der Sinne und der Stille“ erwartet wurden. Ein besonders entschleunigendes und berührendes Erlebnis für uns alle! Zum Abschluss hatten wir noch die Rückfahrt nach Sonntag zu bewältigen.

39 km, 1643 Hm 

Fazit Anita: Schon beim Aufwachen hat die Sonne zum Fenster “hereingekitzelt”. Dass es auf dem Weg zur Sentumalpe wieder steil bergauf geht, konnten wir uns ja schon vorstellen. Dass der Anstieg keine Erholungsphase bietet, war ebenfalls klar. Umso schöner war es, als wir am Ziel angekommen sind, unsere Räder beiseitegestellt haben und nach einem Schnapserl noch weiter auf die Löffelspitze (1952 m) gewandert sind. Auch dabei ist es steil bergauf gegangen. Mit einem wunderschönen Rundumblick sind wir dann tatsächlich belohnt worden.

Eintrag im Gipfelbuch: 

Auf die Sentum Alp ging´s mit dem Radl
Mit durchtrainiertem, strammen Wadl
Sind wir weiter zu Fuß zur Löffelspitze
Über Stock und Stein und jede Ritze.
Von hier gibt´s einen wunderschönen Blick ins Land
Trotz nassem, durchgeschwitzten G´wand.
Nach dem Abstieg zur Sentum Alpe haben wir uns mit Käsebrot und Brettljause gestärkt – und weil´s dazu gehört mit einem Schnapserl. Der “Weg der Sinne und der Stille” bei der Propstei St. Gerold war für viele ein weiteres Highlight, denn Pater Christoph hat es wiederum verstanden, uns in seinen Bann zu ziehen.
Und wieder schwärmen wir von einem gelungenen Tag!

4.Tag: “Gassner-Alp und Plansott Alpe”

Eckdaten von Josef: Wieder geht’s von Sonntag über den Kirchweg zur Faschinastraße und über Garsella nach Blons. Bei der Kirche treffen wir August, der uns heute auf der Tour begleitet. In St. Gerold biegen wir ins Gelände ab. Zuerst fahren wir noch auf Teerstraße steil bergauf, dann geht es auf Naturstraßen weiter aufwärts bis zur Gassner-Alp. Hier treffen sich die “Eiligen” wieder mit den “Gemütlicheren”. Nach kurzer Rast radeln wir auf holprigem Karrenweg weiter aufwärts bis zum Wendepunkt im hintersten Tobel, wo uns ein schlechter Wanderweg weiter zur Plansott-Alpe führt. In flottem Sinkflug geht´s auf Schotterstraße talwärts, bis uns August schließlich auf einem schönem Naturtrail und über einen idyllischen Weiher zurück zur Talstraße und nach Blons bringt. Dort werden wir schon von Conny zu einer phänomenalen Kässpätzlepartie erwartet. Die nächsten 2 Stunden verbringen wir bei köstlichem Essen und danach chillend im Garten bei Conny und August. Für die Rückfahrt nach Sonntag wählten wir diesmal den alten Walserweg.

34,0 km, 1240 Hm

Fazit Anita: Spätestens heute wissen wir, dass es in Vorarlberg keine Alm/en, sondern nur Alp/en gibt. Immerhin haben wir einen Einheimischen mit, der versucht uns einiges über sein Tal zu erzählen. Nach mehrmaligem Nachfragen, verstehen wir das Gesagte auch, denn dem Vorarlbergerischen sind wir nicht wirklich mächtig. Alle Einkehrmöglickeiten lassen wir aus, denn wir wissen, dass es als Abschluss ein tradtionelles Essen in Blons gibt. Die Käseknöpfle, die man mit Erdäpfelsalat und Grünem Salat isst, waren unvergleichlich. Viel zu viel hat jeder gegessen. Und dann gibt es auch noch einen köstlichen Zucchinikuchen. Uff, wie wohl und gesättigt haben wir uns gefühlt. Die Sonne haben wir auch noch genießen können. Und einiges über Bienen haben wir ebenfalls gelernt, denn August ist seit 30 Jahren Imker. Jeder von uns hat sich sehr wohl gefühlt und war von der Gastfreundlichkeit sehr angetan. Vom Essen haben wir auch noch die weiteren Tage geschwärmt und es war ein unvergesslicher Tag!

5.Tag: “Rund um‘s Breithorn”

Eckdaten von Josef: Nach kurzer Abfahrt treffen wir uns in Garsella mit Armin, einem Biker aus Blons, der uns auf unserer heutigen Tour begleitet. Nach kurzer Begrüßung geht es gleich mal auf einem kleinen Nebensträßchen inkl. Wiesen- und Waldtrails gehörig zur Sache. Bei der Parzelle „Plazera“ teilen wir die Gruppe. Die „Eiligen“ fahren mit Armin, während Josef mit den „Gemütlichen“ die Auffahrt zur Alpe Laguz unter die Stollen nimmt. Die Fahrt durch das wildromantische Laguzertal mit tollen Ausblicken ins Lechquellengebirge ist abwechslungsreich und die schnelle Gruppe vertreibt sich die Wartezeit mit einer kurzen Einkehr auf der Alpe Laguz. Schließlich treffen einander alle fast zur gleichen Zeit am Garmil-Sattel (1810 m) um gemeinsam zur Breithornhütte abzufahren. Nach der Mittagsrast geht’s auf dem „Traumtrail“ zur Steris-Alp und durch den Bickelwald zurück nach Sonntag wo wir noch auf den schönen Tag gemeinsam mit unserem „local guide“ Armin anstoßen!

34,0 km, 1350 Hm

Fazit Anita: In der Zwischenzeit verstehe ich unter den Eiligeren die, die fast ohne Pause den Berg hoch radeln und unter den Gemütlicheren die Genießer, die auch Fotostopps einlegen. Anstrengend war diese Fahrt jedoch auf jeden Fall. Die steilen Auffahrten in diesem Tal zehren bereits an unseren Kräften. An diesem Tag war es auch noch etwas frisch am Garmil-Sattel. Vor der Abfahrt haben wir uns gut angezogen, allerdings bald wieder ausgezogen, denn der Trail über Bretter entlang zur Steris Alp, hat uns wieder ins Schwitzen gebracht.

Der Abschluss in unserem Gasthof bei einem kühlen Bier ist mittlerweile auch schon zur Tradition geworden. Es war ein fantastischer Tag mit vielen beeindruckenden Panoramen, der sowohl konditionell als auch fahrtechnisch einiges zu bieten hatte!

6.Tag: “Metzgertobel Alp – Alpschella – Bad Rothenbrunnen”

Eckdaten Josef: Am letzten Tourentag gehen gleich zwei „local biker“ Johannes und August mit uns auf Tour. Wir treffen die Beiden an der Lutzbrücke in Garsella. Nach der Begrüßung und kurzer Tourbesprechung geht‘s gleich los. Auf dem alten Walserweg fahren wir durch mystischen Wald, auf Schotter-Wiesen – und Wurzeltrails taleinwärts. Bei der Lutz-Schwefelquelle stoppen wir kurz.

Hier entspringt eine der stärksten Schwefelquellen Österreichs, die neu gefasst ganzjährig als Treffbecken und Tauchbad zur Verfügung steht. Weiter geht es bachaufwärts bis zur „Kessischlucht“. Hier hat sich die Lutz eine 250 m lange, sehr beeindruckende Schlucht mit Wasserfällen und runden Kesseln („Kessi“) gegraben. Wir radeln weiter aufwärts, begleitet vom Rauschen der Lutz. Vorbei an der Metzgertobel Alp fahren wir in der eindrucksvollen Kulisse des Lechquellengebirges weiter bis zur Alp Schella (1455 m) im hinteren Metzgertobel. Von hier hat man eine tolle Aussicht über das gesamte Tal, zum Lutzursprung und den Bergen des Walserkammes. Dann lädt die Metzgertobelalp zu einer gemütlichen Mittagspause bei zünftiger Alpjause in perfekter Idylle ein. Bei der Rückfahrt machen wir noch einen Abstecher ins Gadental (in der Kernzone des Biosphärenparks) zum Bad Rothenbrunnen, einem Kurhaus, errichtet im Jahr 1834, welches heute als Gasthaus das Flair des 19. Jh. versprüht. Nach Kaffee und Kuchen geht es zurück zu unserem Hotel.

Zum Abschluss der schönen Tourenwoche können wir noch in Oberblons an einer privaten Weinverkostung in der „Gasa Betha“ einem uralten Walser Bergbauernhaus teilnehmen.

36,0 km, 1025 Hm

Fazit Anita: Traumhaftes Wetter begleitet uns den ganzen Tag entlang der Lutz. Es ist fast kitschig, so schön präsentieren sich Tal und Berge und Panoramen. Obwohl es an diesem Tag weniger Höhenmeter waren, hatten es diese wieder ordentlich in sich. Ein kühles Fußbad im Quellwasser hat die einen für die Anstrengung entlohnt, die anderen mit der Beobachtung von Gämsen. Jeder konnte fühlen und spüren, warum die Walsertaler stolz auf ihr Land sein können. “Steil ist geil”- sagt man hier. Der gemeinsame Ausklang bei einer Weinverkostung hat die Woche auf angenehme Art abgerundet. Besonders war auch, dass wir die Weinverkostung in einem echten Original-Walserhaus aus dem 17. Jhdt., erleben durften.

7. Tag: “Heimreise”

Bereits nach dem Frühstück haben uns Bobby und die Bodensseeumrunder abgeholt, dieses Mal nicht direkt vom Hotel, sodass wir kein riskantes Wendemanöver miterleben mussten. Im Bus haben alle ihre Erlebnisse geteilt und Fotos gezeigt. Schneller als erwartet sind wir bereits vor19:00 wieder gut und fröhlich in Wien angekommen.

Fazit Josef: Es war eine perfekte MTB – Tourenwoche mit Freunden bei „Freunden“ in der tollen Kulisse des Biosphärenparks Großes Walsertal.

Gesamt: 179 km, 6597 Hm

Fazit Anita: Perfekt war diese Woche in jedem Fall. Auch wenn die Steigungen kräfteraubend waren, war innerhalb der Gruppe immer eine besondere Form der Harmonie und des Genusses zu spüren. Die Gastfreundlichkeit der Walsertaler, die Panoramen und die Freude, die jeder für sich empfunden und mit den anderen Teilnehmern geteilt hat, werden unvergesslich bleiben!

Bericht von Josef und Anita